Rund 100 Gäste folgten der Einladung zur dritten Auflage von OGEs Energiepolitischem Dialog Ruhr am 16. Juni 2026 auf die Zeche Zollverein in Essen. Im Zentrum stand eine hochkarätig besetzte Paneldiskussion zur aktuellen Versorgungssicherheit im Erdgassystem – ein Thema, das angesichts niedriger Gasspeicherstände nach dem Winter und geopolitischer Entwicklungen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Unter der Leitfrage „Versorgungssicherheit aktuell: Wie kommen wir zu tragfähigen Lösungen im Erdgassystem?“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Regulierung, Energiewirtschaft und Infrastruktur die zentralen Herausforderungen und möglichen Lösungsansätze. Im Fokus standen dabei insbesondere die Rolle von Netzen und Speichern, die Verantwortung von Marktakteuren sowie notwendige regulatorische Rahmenbedingungen zur Stärkung der Resilienz
Zum Hintergrund: Die Versorgungssicherheit mit Erdgas bleibt auch in der Transformationsphase des Energiesystems ein zentraler Baustein für Stabilität, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und gesellschaftliche Sicherheit in Deutschland und Europa. Während die Nachfrage perspektivisch sinkt, bleiben die Anforderungen an ein jederzeit verfügbares, resilientes System hoch. Gleichzeitig erfordern geopolitische Entwicklungen sowie veränderte Importstrukturen eine kontinuierliche Anpassung von Infrastruktur und Regulierung.
Die Herausforderung: Wie lassen sich sinkende Gasbedarfe und hohe Versorgungssicherheitsanforderungen wirtschaftlich und regulatorisch in Einklang bringen? Welche Rolle spielen dabei Markt, Infrastruktur und Staat – insbesondere vor dem Hintergrund globaler Unsicherheiten und volatiler Speicherstände?
Die Lösung: Tragfähige Antworten erfordern ein integriertes Zusammenspiel von leistungsfähiger Infrastruktur, funktionierenden Märkten und klaren regulatorischen Leitplanken. OGE setzt hierbei auf die Weiterentwicklung der bestehenden Gasinfrastruktur als Rückgrat der Versorgungssicherheit und als Grundlage für die Transformation hin zu klimaneutralen Energien.
Die Diskussionsrunde, moderiert vom Journalisten und TV-Moderator Marco Seiffert, war hochrangig besetzt:
- Dr. Peter Röttgen, Deutsche Energy Terminal GmbH
- Anne Köhler, Energy Traders Deutschland
- Sascha Grüner, Bundesnetzagentur
- Dr. Thomas Hüwener, CEO, Open Grid Europe GmbH
Dr. Thomas Hüwener betonte die Dringlichkeit eines neuen Verständnisses von Versorgungssicherheit: „Versorgungssicherheit bedeutet heute Betrieb unter geopolitischen Dauerherausforderungen. Erdgas bleibt dabei ein zentraler Stabilitätsanker – gerade in Krisenzeiten. Entscheidend ist, dass wir Versorgungssicherheit neu denken: mit einer regulatorisch verankerten Verantwortung des Marktes, resilienter Infrastruktur und verlässlichen finanziellen Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen und das System insgesamt stärken.“
Dr. Peter Röttgen unterstrich die Bedeutung von LNG-Terminals als Teil der europäischen Gasinfrastruktur: „Als Element der deutschen und europäischen Gasinfrastruktur haben LNG-Terminals eine bedeutsame Funktion für die Versorgungssicherheit erlangt. Alle Elemente haben eigene, spezifische Funktionalitäten, wirken zusammen und können einen Beitrag zur Energiewende leisten.“
Auch die klare Rollenverteilung im Markt wurde hervorgehoben. Sascha Grüner erklärte: „Die Verantwortlichkeiten im Gasmarkt sind bereits klar definiert: Die entsprechenden Marktakteure haben ihre individuellen Lieferverpflichtungen und Abnahmemengen durch die Bereitstellung von Mengen zu erfüllen, die Netzbetreiber haben den Transport sicherzustellen.“
Anne Köhler ergänzte die Perspektive der Energiewirtschaft: „Eine sichere Gasversorgung basiert auf funktionierenden und integrierten Märkten mit klaren Preissignalen. Die Rolle von Energiehändlern und -versorgern ist es, die von den Kunden benötigte Flexibilität über verschiedene Produkte zu bestmöglichen Konditionen bereitzustellen – dies gelingt ohne regulatorische Eingriffe am besten.“
Eröffnet wurde der Abend durch einen Science Slam zum Thema „Versorgungssicherheit“, der das komplexe Thema verständlich und pointiert einführte. Im Anschluss bot der Energiepolitische Dialog Ruhr Raum für vertiefte Gespräche und Austausch zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.
Mit dem Energiepolitischen Dialog Ruhr unterstreicht OGE seinen Anspruch, als verlässlicher Partner Lösungen für die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Energieversorgung zu entwickeln und gemeinsam mit relevanten Stakeholdern die richtigen Rahmenbedingungen für eine resiliente und nachhaltige Energiezukunft zu gestalten.